Kollegen unter Strom

Kabelretter im Einsatz

Die Freileitungsteams des Überlandwerk Mittelbaden reparieren beschädigte Leitungen.

Freileitungsteam im Einsatz

© E-Werk Mittelbaden

24. Juni 2022 - Lesezeit: 5 Min

Immer im Einsatz für eine sichere Stromversorgung

Wir begleiten die Kabelretter des Überlandwerk Mittelbaden im Freigelände des Kinzigtals. Stellenweise geht es dabei hoch hinaus mit dem Steigerfahrzeug und wo nötig, mit Steigeisen.

Der Bindedraht sitzt noch fest und hält die Mittelspannungsleitung sicher an der Keramikhalterung am oberen Ende des Masts. David Beck löst ihn mit dem Schraubenzieher.„Strom fließt hier seit Stunden keiner mehr“, macht uns der Teamleiter zuvor klar. Die Leitung ist gekappt. Ein Sturm hatte einen Baum entwurzelt, der Stamm riss die Leitung entlang eines Baches entzwei. Die Leitungstrassen sind vor Jahrzehnten festgelegt worden. Inzwischen ist der Wald dichter herangekommen und gewachsen. David Beck und sein Freileitungsteam reparieren sie nun – im Notfalleinsatz. Nicht jede Nacht bringt einen Sturm, nicht jeder Arbeitstag beginnt für die Elektroniker mit einem Notfall. Für das Überlandwerk Mittelbaden reparieren die Männer in der Regel Stromleitungen und Masten, die die Helicopter-Crew nach der Routineprüfung aus der Luft als beschädigt meldet. Sie operieren vom Boden aus. Mindestens ein Steigerfahrzeug ist immer dabei, wenn das Freileitungsteam zum Einsatz fährt. Um an die oberirdischen Stromleitungen zu kommen, brauchen die Elektroniker die Fahrzeuge mit ausfahrbaren Körben. Bis zu dreißig Meter lang sind die; der Mann im Korb steuert selbst. Sein Ziel ist in der Regel der Punkt, an dem sich Mast und Leitung treffen: die Isolatoren, die die Leitung kurzschlusssicher festhalten. Teils müssen sie getauscht werden, teils die metallenen Traversen, auf denen sie sitzen. Die Leitung muss in jedem Fall gelöst werden – ob die Traverse verbogen, der Isolator kaputt oder die Leitung gerissen ist.

Leitungstausch im Hintertal in Fischerbach

Im Hintertal in Fischerbach ist die Leitung gerissen. Es handelt sich um die 20-kV-Mittelspannungsleitung, die den Strom von der Umspannanlage in das Trafohaus vor Ort überträgt, von wo aus wiederum die einzelnen Häuser über 1-kV-Leitungen versorgt werden. David Beck leitet den Einsatz. Sechs Mann sind vor Ort, dazu fünf Fahrzeuge. Zwei Steigerfahrzeuge stehen an den Masten, zwischen denen das Leiterseil aus Stahl und Alu gerissen ist. Ein Unimog mit Seilwinde parkt an dem Mast neben der Trafostation. „Wir ersetzen den beschädigten Teil in der Mitte und bringen die Leitung dann wieder in Position“, erklärt David Beck. Während er und zwei seiner Leute mithilfe der Steigerfahrzeuge die teils verbogenen Traversen auf den Boden holen und sie dort mitsamt der Isolatoren wieder auf Stand bringen, kümmert sich die andere Hälfte des Teams um die gerissene Stelle.

Die Männer setzen 20 Meter neues Leiterseil ein. Teammitglied Fabian Rupp sagt: „Das hält so fest, dass beim nächsten Baum meist eine andere Stelle reißt.“ Am Ende ziehen sie das Seil hoch, Position und Durchhang müssen stimmen. Erst dann kommt neuer Draht zum Einsatz. Mit ihm binden sie die Leiterseile an die Isolatoren. Der Strom kann wieder fließen. Bis dahin wurde der Ortsteil durch eine Umschaltung versorgt.

Masttausch in Hatsbach

Eine Umschaltung über eine andere Trafostation ist auch im Durbacher Ortsteil Hatsbach nötig. Ein umgeknickter Mast bog die Leiterseile so,dass sich zwei berührten. Die Folge: Kurzschluss und automatische Abschaltung durch das Sicherheitssystem. Das Überlandwerk Mittelbaden ist daher alarmiert. „Kleinere Schäden erkennen die Kollegen bei der Leitungsbefliegung auch ohne Stromausfälle“, sagt Michael Moritz, Fachleiter Freileitung, der heute mit dem Team vor Ort ist. Um mit Bagger und Steigerfahrzeug an den Mast zu kommen, muss sich das Team zunächst den Weg durch den rutschigen Untergrund freibaggern. Mithilfe des Steigers entfernen die Elektroniker schließlich die verbogenen Leitungen. Per Bagger mit Spezialaufsatz wird der Mast dann getauscht, die Traverse noch am Boden montiert.

Steigeisen für die Holzmasten gehören zum Equipment dazu

Wo die Fahrzeuge nicht hinkommen, steigen die Männer selbst hoch zur Traverse. An den Stahlmasten geht das mit der Leiter, an den Holzmasten nur mit Gurt und Steigeisen. Tobias Köhli macht das vor. In wenigen Sekunden ist er oben und erledigt seine Arbeit mit sicheren Handgriffen. Wieder unten angekommen schaut er hoch zum Mast. Ehrfurcht? „Das ist schon Routine“, sagt der junge Elektroniker.

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