Energie für Champions

Neues Blockheizkraftwerk: Strom und Wärme für Offenburg
- Lesezeit: 5 Min

Das neue Blockheizkraftwerk in Offenburg arbeitet umweltschonend und effizient.

Innenansicht mit Christian Linz vor dem Verbrennungsmotor, der Erdgas verbrennt und dadurch Strom produziert.

Fotos: Michael Bode

Blockheizkraftwerke arbeiten hocheffizient. Sie produzieren gleichzeitig Strom und Wärme – und das besonders klimaschonend! Doch wie funktioniert ein Blockheizkraftwerk eigentlich? Wir haben die neue Anlage des E-Werk Mittelbaden in Offenburg besucht und mit dem Leiter der Fernwärme-Heizzentrale, Christian Linz, gesprochen.

Umweltschonend heizen

Mit dem neuen Blockheizkraftwerk baut das E-Werk Mittelbaden gemeinsam mit der Wärmeversorgung Offenburg (WVO) das Fernwärmenetz im Stadtgebiet Offenburg aus. Eines von zwei neuen Kraftwerken in der Wasserstraße ging im November 2020 in Betrieb. Von dort aus wird nun unter anderem das neue Einkaufszentrum Rée Carré in der Innenstadt mit Wärme versorgt. Darüber hinaus ist für Sommer 2021 geplant, im selben Gebäude ein „Zwillings-Kraftwerk“ zu installieren, an das weitere Offenburger Haushalte angeschlossen werden können. Ziel der Investition: noch mehr Wärmekapazität für das Fernwärmenetz in Offenburg zur Verfügung zu stellen. Für Christian Linz, Leiter der Fernwärme-Heizzentrale beim E-Werk Mittelbaden, keine ungewöhnliche Entwicklung: „Das Interesse am Anschluss an das Fernwärmenetz in Offenburg steigt. Es kommt vor, dass wir schon während des Baus neuer Fernwärmeleitungen den weiteren Ausbau planen müssen, weil so viele Kunden daran interessiert sind.“

So funktioniert das Blockheizkraftwerk

In einem Blockheizkraftwerk werden gasförmige, flüssige oder feste Energieträger wie Gas, Öl oder Holz verbrannt und dabei in Strom und Wärme umgewandelt. Dieses Prinzip wird als Kraft-Wärme-Kopplung bezeichnet: Frei werdende Energie wird in Bewegungsenergie umgewandelt, die Abwärme und die heißen Abgase zu Heizzwecken genutzt. Eine moderne Anlage wie das Kraftwerk in Offenburg erreicht dadurch einen Wirkungsgrad von rund 97 Prozent. Dazu gilt: Je mehr Haushalte an das Blockheizkraftwerk angeschlossen werden, desto effizienter. Schließlich kann dann mehr Strom erzeugt werden – und damit auch mehr Wärme. Wie das genau funktioniert, verrät dir unser Schaubild.

Leitwarte - Gehirn des BHKW

Die Leitwarte ist das Gehirn des Blockheizkraftwerks. Hier wird alles zentral und weitgehend autonom gesteuert. Nur wenige Kontrollgänge pro Woche sind nötig, um die Anlage zu betreiben. Über etwaige Fehler oder Störungen im Kraftwerk wird das E-Werk Mittelbaden automatisch informiert.

Diese Brennstoffe werden benötigt

Um den Verbrennungsmotor zu betreiben, werden fossile Brennstoffe wie Heizöl, Diesel oder Erdgas benötigt. Letzteres wird im neuen Blockheizkraftwerk in Offenburg verwendet. Die Besonderheit: Erdgas könnte zukünftig auch aus erneuerbaren Energien hergestellt werden. Dies ist möglich, wenn überschüssiger Strom aus Sonne, Wind- und Wasserkraft zu Wasserstoff verarbeitet werden kann. Im nächsten Prozess wird Methan erzeugt – der Hauptbestandteil von Erdgas. Neue Blockheizkraftwerke können sowohl mit diesem sogenannten EE-Gas als auch mit herkömmlichem Erdgas betrieben werden. Ein weiterer Vorteil: Bei der Verbrennung entstehen deutlich weniger Schadstoffe als bei anderen fossilen Brennstoffen.

Verbrennungsmotor

Rund zehn Tonnen wiegt die Anlage, die das Herzstück des Kraftwerks bildet. Erdgas wird hier in den Motor eingespeist und anschließend verbrannt. Dadurch entsteht ein Druck, der mehrere Kolben in Bewegung setzt. Diese treiben eine Welle an, die wiederum an einen Generator angeschlossen ist. Hier wird schlussendlich der Strom erzeugt. Im letzten Schritt wird dieser dann in einer Transformatorenstation zur allgemeinen Versorgung umgewandelt. Die Wärme, die im Motorblock entsteht, wird dabei in das Fernwärmenetz eingespeist.

Abgaswärmetauscher

Mit dem Abgaswärmetauscher wird die Abgastemperatur gesenkt. In diesem Fall handelt es sich um einen sogenannten Hochtemperatur-Wärmeübertrager. Durch ihn sinkt die Temperatur der Abgase von rund 500 Grad auf etwa 100 Grad: Rohre mit kaltem Wasser umfließen den Abgasstrang, wodurch die Wärme entzogen und direkt in das Fernwärmenetz eingespeist wird.

Kältemaschine

Mithilfe der Kältemaschine wird unter anderem die Abstrahlungswärme des Motors entzogen. Hierbei wird kaltes Wasser, das von der Kältemaschine bereit gestellt wird, im Motorraum erhitzt und fließt zurück in die Kältemaschine. Die Anlage entzieht wiederum diesem Wasser die Wärme und speist diese Wärmeenergie in den Fernwärmekreislauf mit ein.

Kessel

Zu Spitzenzeiten kann es vorkommen, dass die Leistung des Motors nicht genügt, um das Fernwärmenetz ausreichend zu versorgen. Für diese Zwecke steht ein Kessel inmitten des Kraftwerksgebäudes bereit. Hier entsteht ausschließlich Wärme – kein Strom! Der Kessel wird nur dann betrieben, wenn die Leistung des Blockheizkraftwerks nicht genügt, um das Fernwärmenetz mit ausreichend Wärme zu versorgen. Gleichzeitig dient er als Sicherheit, falls Wartungsarbeiten am Blockheizkraftwerk stattfinden und dieses kurzzeitig nicht zur Verfügung steht. So kann die Wärmeversorgung jederzeit garantiert werden.

Abgas

Etwa 22 Meter hoch und 15 Tonnen schwer ist der riesige Schornstein der Heizzentrale. Die Abgase, die aus ihm herausströmen, sind dank Kältemaschine und Abgaswärmetauscher nur noch rund 40 Grad warm und wurden zuvor mithilfe eines Katalysators und der AdBlue-Dosierung gereinigt – dieser Stoff wandelt Stickoxide in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf um. Damit wird das Erdgas, das ohnehin schon wesentlich geringere Schadstoffwerte wie zum Beispiel Öl aufweist, noch sauberer.

Haushalt

Strom und Wärme gelangen anschließend über das Stromnetz und die Fernwärmeleitungen zu den Kunden. Allein in Offenburg werden derzeit mehr als 3000 Haushalte mit Fernwärme versorgt. Mit der Inbetriebnahme der beiden neuen Blockheizkraftwerke werden es in Zukunft noch mehr sein.

Hol dir Fernwärme ins Haus

Schon gewusst? Wenn die Heizungsanlage saniert werden muss, kann ein Haushalt auch nachträglich an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass bereits Fernwärmeleitungen verlegt wurden. Die Experten der Wärmeversorgung Offenburg unterstützen dein Vorhaben.

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