Strom in der Region

Hör mal, wer da hämmert

Ein furchtloses Urgestein für die Wartung der Holzmasten

Dragan Mircevski am Holzmasten.

© Jigal Fichtner

27. April 2022 - Lesezeit: 5 Min

Der Experte für Freileitungsmasten

Im ländlichen Raum verlaufen noch immer viele Stromleitungen an Holzmasten – und die müssen ordentlich gewartet werden. Das Überlandwerk Mittelbaden setzt dabei auf die Expertise des 72-jährigen Dragan Mircevski.

Wer ihn aus der Ferne beobachtet, fragt sich, was der Mann da eigentlich macht. In der Regel trifft man den 72-Jährigen nämlich mit Helm und Hammer bewaffnet irgendwo in der Pampa – auf Äckern oder Feldern in ganz Deutschland, vor allem im südbadischen Raum. Dabei hämmert und klopft er, klettert in schwindelerregende Höhen – und das seit fast 40 Jahren. Sport oder Hobby? Nein! Mircevski ist Experte für die Untersuchung von Freileitungsmasten – und immer wieder auch für das Überlandwerk Mittelbaden im Einsatz.

Noch etwa 15 000 Holzmasten 

Noch knapp 15 000 hölzerne Strommasten gibt es im Ortenauer Versorgungsgebiet. „Meist bringen die Leitungen, die über sie verlaufen, gewöhnlichen Haushaltsstrom zu eher abgelegeneren Wohngebäuden”, erklärt Michael Moritz vom Überlandwerk Mittelbaden. „Technisch sind das normale 1-kV-Leitungen, also genauso wie beim Erdkabel.”
Das Problem: Freileitungsmasten, die diese Leitungen tragen, sind rund um die Uhr Wind und Wetter ausgesetzt – oft über Jahrzehnte. Deshalb ist eine ordentliche Wartung so wichtig. Und hier kommt Dragan Mircevski ins Spiel.

„Er hat einfach eine riesige Erfahrung”, sagt Michael Moritz. „Keiner hat eine so hohe Trefferquote beim Aufspüren defekter oder morscher Freileitungsmasten wie Dragan.”

Wie Mircevski genau vorgeht, beobachten wir daher an einem regnerischen Vormittag unweit des Großen Deichs im Süden von Offenburg.

Nicht ohne Sicherheitsausrüstung

Sein Einsatz beginnt immer am Auto. Hier transportiert und lagert Mircevski das Material und die Werkzeuge, die er benötigt: blaue Arbeitshose, Sicherheitsschuhe, einen gelben Helm, Handschuhe, Steigeisen, Gurte mit Karabinerhaken und natürlich einen Hammer. „Um den Mast abzuklopfen”, erklärt er. Nachdem sich der rüstige Kletterer angeschirrt hat, macht er sich auf über die Äcker hin zu einem der Holzmasten, die er heute untersuchen möchte. Zunächst nimmt er den Pfahl in Augenschein. Hat er auffällige Löcher? „Das kann dann der Fall sein, wenn sich ein Specht daran zu schaffen gemacht hat”, sagt er. Spechtlöcher an sich seien aber nicht schlimm. „Die haben wir immer, egal wie neu oder alt ein Mast ist. Denn kaum steht er, kommen die Vögel und picken daran herum.” Das Problem sei vielmehr, dass in die vom Specht gehackten Löcher Fäulnis eindringen kann, die den Mast letztlich von innen zersetzt. „Dann wird es gefährlich”, so Mircevski. Rund 10 bis 15 Prozent der von ihm überprüften Holzmasten in dem Gebiet des Überlandwerk Mittelbaden werden jährlich ausgetauscht, erklärt Michael Moritz. In der Regel wird jeder Mast dafür alle acht Jahre untersucht. Hierzu wurde das Versorgungsgebiet in acht Zonen unterteilt. Jedes Jahr werden die Strommasten in einer der Zonen untersucht und gegebenenfalls gewechselt.

 

Hämmern und hören

Und so läuft die Untersuchung: Mit seinem Hammer beginnt Dragan Mircevski zunächst, den unteren Teil des Pfahls abzuklopfen. Während sich die Geräusche für Laien alle gleich anhören, erkennt das feine und über Jahre trainierte Gehör Mircevskis Unterschiede. Dumpfe Geräusche verraten ihm: Das Holz im unteren Teil ist in gutem Zustand. Um nun mögliche Schäden in der Mitte oder oben am Stamm zu entdecken, arbeitet sich Dragan Mircevski hoch.
Hierzu schnallt er sich die Steigeisen unter die Schuhe und beginnt, am Holz nach oben zu klettern. Immer wieder stoppt er und klopft den Mast mit dem Hammer ab. „Ich will so erkennen, ob beispielsweise Wurmlöcher oder Schäden durch Borkenkäfer vorhanden sind – oder ob ein Spechtloch so tief geworden ist, dass sich sogar ein Nest darin befindet. Aber der hier ist in Ordnung”, sagt er. Wichtig sei es, Gefahren früh zu erkennen.

„Wenn ich mir nicht sicher bin, ob das Holz in Ordnung ist, hole ich mit dem Bohrer eine Probe heraus”, erklärt er. „Aber in 90 Prozent der Fälle reicht es, wenn ich klopfe.”

Damit Holzmasten überhaupt so lange halten, werden sie vor dem Aufstellen tiefenimprägniert. Daher wird bei jeder Kontrolle am Schaft, wo der Mast am anfälligsten ist, auch neues Imprägniermittel aufgebracht.

Fäulnis ist die größte Gefahr

Und was passiert, wenn Dragan Mängel feststellt? „Das kommt darauf an”, sagt der Experte. Spechtlöcher würden meistens nur vermerkt. „Ist der Mast aber morsch beziehungsweise von Fäulnis befallen, dann hämmere ich am unteren Teil einen großen roten Nagel hinein”, erklärt er. Auf diese Weise können die Monteure des Überlandwerk Mittelbaden schnell erkennen, welche Strommasten ausgetauscht werden müssen. Michael Moritz führt aus: „Unsere Techniker kommen dann, kippen den alten Masten um und stellen einen neuen in das dafür vorgesehene Loch.” Die Stabilität wird dadurch garantiert, dass ein Sechstel der Gesamtlänge der rund zwölf Meter hohen Masten im Boden steckt. Für die Auswechslung eines Masts aus Kiefern- oder Fichtenholz werden rund 1200 Euro fällig. Der Stromkunde bekommt davon kaum etwas mit. „Gelegentlich müssen wir für eine kurze Zeit den Strom abstellen.
Mehr aber nicht. Außerdem wird dies dem Kunden im Vorfeld mitgeteilt”, sagt Michael Moritz, während Dragan Mircevski nach getaner Arbeit seine Ausrüstung im Kofferraum verstaut.

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