Badenova und das E-Werk Mittelbaden kümmern sich in den kommenden Jahren gemeinsam um die Energieeffizienz von Industrieparks und Unternehmen. Beide Energieversorger haben den Zuschlag für das EU-Projekt „Vernetzte Industrieparks“ erhalten, das neue Technologie-Impulse beim Energiemanagement in Unternehmen sowie in Gewerbe- und Industriegebieten liefern soll. Profitieren werden neben anderen Standorten vor allem die Städte Lahr, Freiburg und Offenburg. Die Fördermittel für das millionenschwere Vorhaben kommen von der EU und dem Land Baden-Württemberg.

Konkretes Ziel des ambitionierten Vorhabens ist es, brachliegende Effizienzpotenziale zu ermitteln und Projekte umzusetzen, um die Potenziale zu heben. Vor allem bei produzierenden Unternehmen schlägt der Energieeinsatz sowohl in der finanziellen als auch in der Öko-Bilanz kräftig zu Buche. Dabei könnten viele Unternehmen ihre Bilanzen verbessern, indem sie einen Blick über den Tellerrand wagen und von einer Zusammenarbeit mit Nachbarn profitieren. Oftmals werden in der direkten Nachbarschaft z.B. große Mengen überschüssiger Restwärme mit hohem zusätzlichen Energieeinsatz vernichtet, obwohl wenige Hundert Meter weiter massiver Bedarf an Wärmeenergie herrscht. Ähnliche Synergien lassen sich für die Beschaffung, Erzeugung und Speicherung anderer Energieformen und industrieller Ressourcen herstellen. Fast immer fehlt es in den Industriestandorten an einem Überblick über die Energie- und Stoffströme sowie an einem unternehmensübergreifenden Management.

Genau hier setzt das Projekt „Vernetzte Industrieparks“ an: Badenova und das E-Werk Mittelbaden wollen in drei ausgewählten Industriearealen pilothaft effizienzsteigernde Technologien einsetzen, die unter dem Strich dabei helfen, den Energieeinsatz der dortigen Unternehmen und damit den CO2-Ausstoß zu verringern. Begleitet wird die Einführung der neuen Technologien durch einen regelmäßigen Austausch der beteiligten Betriebe an den Standorten, der auch einen gegenseitigen Besuch und gemeinsame Workshops umfassen soll.

Noch ist das Projekt in der Vorbereitungsphase, die Projektträger planen jedoch schon jetzt u.a. den Einsatz von so genannten Wärme-Taxis (mobile Zeolith-Speicher), thermoelektrischen Generatoren, Hochtemperatur-Wärmepumpen und Instrumenten, die die Energiedaten messen, übertragen und visualisieren sollen. Verbindendes Element des gesamten Maschinenparks soll ein so genanntes „Virtuelles Kraftwerk“ sein, das die Energieerzeugung aus zahlreichen völlig unterschiedlichen dezentralen Quellen erfasst und zu einem gebündelten virtuellen Erzeugerpool zusammenführt, der sich zentral steuern lässt. Hierzu sollen auch möglichst viele erneuerbare Energiequellen gehören. Die Speicherung und die Systemintegration sind ebenfalls zentraler Bestandteil des Projekts. Ausschlaggebend dafür ist die Zusammenarbeit der Strom- und Erdgasnetzbetreiber in den entsprechenden Gebieten, die durch die Beteiligung der Netzgesellschaften von badenova und E-Werk Mittelbaden sichergestellt ist.

Standorte: Freiburg, Offenburg und Lahr

Die Industrieparks, die als erstes auf diese Weise vernetzt werden sollen, sind das Industriegebiet Nord in Freiburg, die Gewerbegebiete in Offenburg-Bohlsbach und –Elgersweier sowie das Industriegebiet in Lahr. Im ersten Schritt sollen hier Potenziale ermittelt und mögliche Synergien untersucht werden – in Lahr auch mit Blick auf die Landesgartenschau 2018. Weitere Standorte in anderen Städten und Gemeinden sowie in Einzelbetrieben sind möglich. Wichtig für den Erfolg des Projekts ist die Beteiligung von Unternehmen, die sich Effizienzgewinne von neuartigen Technologien versprechen und bereit sind, entsprechende Maßnahmen im Betrieb umzusetzen. Die Zusammenarbeit zwischen solchen Unternehmen und den Projektträgern im Rahmen eines Effizienzclusters ist Gegenstand der jetzt genehmigten EU- und Landesförderung. Insgesamt sind Investitionen in Höhe von 6,4 Millionen Euro geplant. Schon jetzt beteiligen sich rund 20 Unternehmen an dem Projekt.

Thorsten Radensleben, Vorstandsvorsitzender bei Badenova, ist sich sicher, dass das Vorhaben den Hebel an der richtigen Stelle ansetzt: „Die Industriegebiete sind die Hot-Spots der Energiewende. Dank der Fördermittel sind wir in der Lage, in diesem Bereich Maßnahmen und Investitionen anzustoßen, die wir allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht angehen könnten.“
Dr. Ulrich Kleine, Vorstand E-Werk Mittelbaden: „Gemeinsam mit gleichgesinnten Partnern die Energiewende voranzutreiben, ist für uns eine wichtige Aufgabe. Wir begrüßen die Chance, Unternehmen in der Region bei der Einführung innovativer Technologien als Team zu begleiten.“

Dr. Wolfgang G. Müller, Oberbürgermeister der Stadt Lahr, betrachtet das Vorhaben aus kommunaler Sicht: „Die Städte und die Region begrüßen das Projekt und das Engagement der industriellen Partner ausdrücklich. Das Energieeinsparungspotenzial und die damit verbundenen CO2-Einsparungen stärken den Industriestandort der Region. Die Stadt Lahr will mit Handlungsempfehlungen die Umsetzung anspruchsvoller Umwelt- und Klimastandards erreichen und damit zum innovativen Vorbild und Maßstab künftiger Gartenschauen werden.“

RegioWIN ermöglicht „Vernetzte Industrieparks“ und „RIZ“

Die Fördermittel für das Projekt stammen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (kurz: EFRE). Das Land BW hat knapp 70 Millionen Euro aus diesem Fonds über den RegioWIN-Wettbewerb vergeben. Daran teilnehmen konnten ausschließlich ganze Regionen, die sich zu einer Antragsgemeinschaft zusammengefunden haben. An dem Antrag für die Region Südlicher Oberrhein (plus Landkreis Lörrach) haben etwa 90 Organisationen, Unternehmen und Kommunen mitgewirkt. Gesteuert und koordiniert wurde das Vorhaben von dem Verein Klimapartner Oberrhein.

Mathias Nikolay, Technik-Vorstand bei Badenova und im Vorstand der Klimapartner für den RegioWIN-Antrag verantwortlich, weist auf die ausgeprägte Zusammenarbeit der letzten zwei Jahre hin: „Keiner der Beteiligten hätte als Einzelakteur Zugang zu diesen Fördermitteln gehabt. Dieser Erfolg ist ein echtes Gemeinschaftsprodukt, das unsere Region noch dichter zusammengebracht hat.“

Neben dem Projekt „Vernetzte Industrieparks“ hat das Regionale Innovationszentrum für Energietechnik (kurz: RIZ) der Hochschule Offenburg eine Förderzusage erhalten. Beim „RIZ“, das auf dem Campus der Hochschule Offenburg entstehen soll, geht es ebenfalls um Effizienztechnologien. Hier soll ein Laborgebäude mit technischer Infrastruktur (wie z.B. Klimakammern, Testständen, Messeinrichtungen etc.) gebaut werden, die als Forschungs- und Entwicklungsplattform für mittelständische Betriebe aus der Region dienen soll. Das Investitionsvolumen beträgt rund 10 Mio. Euro. Träger ist die Hochschule Offenburg, die intensiv mit dem Projekt „Vernetzte Industrieparks“ zusammenarbeiten will und zu den Partnern der ersten Stunde zählt. Beide Projekte werden derzeit intensiv durch das Finanz- und Wirtschaftsministerium beraten, um so schnell wie möglich mit der höchstmöglichen Förderquote starten zu können.