Energie für Champions

Wenn im Haus der Schimmel einzieht

Welche Rolle spielt die Gebäudehülle? Wir klären, wie Schimmel zu vermeiden ist.

Wenn im Haus der Schimmel einzieht
8. November 2019 - Lesezeit: 5 Min

Welche Mythen du getrost vergessen kannst und was hilft, um den flauschigen Bewohner wieder loszuwerden, wenn er doch mal deine Räume belagert? Wir haben uns für dich schlau gemacht und ein paar allgemein verbreitete Thesen geprüft.

Flauschig weiß, grün oder grau belagert er still und heimlich Ecken und Wände. Schimmel lässt die Freude über die neue Wohnung oder das erste Eigenheim schnell verstummen. So weit muss es aber erst gar nicht kommen. Dazu haben wir Christian Dunker, von der Ortenauer Energieagentur, befragt  Er gibt die entscheidenden Tipps, um Schimmel keine Grundlage zu schaffen. Hier die weitverbreiteten Mythen kurz erklärt:

„Wände müssen atmen können“

Nein! Wände können nicht atmen. Verputzte Wände sind immer dicht. Ist dies nicht der Fall, liegen Bauschäden vor. Dennoch sollten weder Möbel noch Verkleidungen direkt an kalte Außenwände gestellt beziehungsweise angebracht werden. Zum einen, weil die Raumwärme die Wände so nicht gleichmäßig erwärmen kann und zum anderen, weil dadurch keine ausreichende Luftzirkulation möglich ist. Die feuchtwarme Luft kann dann beim Lüften nicht ausreichend durch kalte trockene ersetzt werden.

„Schimmel kommt nur, wenn es kalt ist“

Das ist nur bedingt richtig. Feststeht: Schimmelpilze können überall wachsen. Die Raumtemperatur hat zunächst keinen Einfluss auf das Schimmelwachstum. Entscheidend ist vielmehr die Luftfeuchtigkeit. Warme Luft steigt in der Raummitte nach oben, kühlt etwas ab und sinkt an den Wänden wieder nach unten. Sind diese kalt, kondensiert die Luft an ihnen und hinterlässt einen Wasserfilm. Denn: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Deshalb hat die Raumtemperatur indirekt doch einen Einfluss – allerdings nur auf die Wandtemperatur. Diese sollte bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent nicht unter 12,6 Grad Celsius liegen. Um diese Werte zu erhalten, empfehlen sich eine Raumtemperatur um die 20 Grad Celsius und regelmäßiges Lüften. Hygrometer zeigen den Feuchtigkeitsgehalt in der Luft an.

Auch der pH-Wert der Wand hat Einfluss auf die Wachstumsbedingungen für Schimmel. Allerdings ist dieser sehr gering. Je alkalischer die Wand, desto besser. Die Verwendung von mineralischem Anstrich oder Lehmputz ist daher einer Tapete vorzuziehen. So kann die Wand etwas Feuchtigkeit puffern und sie später wieder in den Raum abgeben. Eine Kondensation wird auf diese Weise verhindert.

Oh Schreck, der Schimmel ist da. Und jetzt?

Sind nur kleine Flächen befallen, können Sie selbst Hand anlegen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt dies aber nur für Flächen unter 0,5 Quadratmeter. Allergiker oder Asthmatiker sollten jedoch direkt einen Fachmann hinzuziehen. Für alle anderen heißt es: Glatte Flächen mit Allzweckreiniger abwischen und anschließend desinfizieren, Silikonfugen reinigen und bei Bedarf ersetzen, befallene Tapete anfeuchten und entfernen.

Beliebte Chemische Mittel zur Schimmelbeseitigung sind zudem Fungizide wie Chlor, Chlorphenole, Schwefel-Stickstoffverbindungen und Phenole. Aber Achtung, die sind toxisch! Wer nicht gleich mit der vollen Chemiekeule aufwarten will, kann auch zu Hausmitteln greifen. Bewährt haben sich 12-prozentiges Wasserstoffperoxid, hochprozentiger, vergällter Alkohol wie Spiritus oder 70-prozentiger Isopropylalkohol. Allerdings beseitigen diese Mittel den Pilzbefall nur oberflächlich und sind damit nur eine temporäre Lösung. Egal ob Hausmittel oder chemische Substanzen – wichtig ist: Handschuhe, Atemmaske und Schutzbrille nicht vergessen!

„Wer Schimmelbefall hat, lüftet nicht“

Richtiges Lüften ist sicherlich essenziell für ein schimmelfreies Zuhause. Ein Vier-Personen-Haushalt mit einer Wohnfläche von 75 Quadratmetern und 200 Kubikmetern Luftvolumen produziert täglich zehn Liter Feuchtigkeit. Das entspricht einem großen Putzeimer voll Wasser. Diese Feuchtigkeit muss natürlich irgendwo hin. Damit sie sich nicht an kalten Wänden niederschlägt und um Schimmelbefall vorzubeugen, sollte deshalb alle zwei Stunden stoß- oder quergelüftet und somit das gesamte Luftvolumen ausgetauscht werden. Die Lüftungsdauer hängt dabei von den Witterungsbedingungen ab. Je größer der Temperaturunterschied zwischen Raum- und Außentemperatur, desto schneller findet der Luftaustausch statt. Siehe dazu die Infografik.

Lüftungsempfehlungen

Bei Dauerlüftung kühlen Wände aus

Auf eine Dauerlüftung mit gekippten Fenstern sollte jedoch verzichtet werden. Denn: Die kontinuierlich einströmende kalte Luft kühlt die Wände um die Fenster herum aus. Dort sammelt sich dann wieder Feuchtigkeit und Schimmel siedelt sich an. Badezimmer und Küche müssen unmittelbar nach dem Duschen, Baden oder Kochen gelüftet werden.

Ursachen für Schimmelbefall

Dennoch ist nicht nur das Lüftungsverhalten der Mieter ausschlaggebend. Bei hoher Luftfeuchtigkeit sollte immer auch geprüft werden, woher sie kommt. So können beispielsweise Feuchtigkeit, die aus dem Erdreich in das Gebäude dringt sowie Defekte an Wasserinstallationen oder der Gebäudehülle ebenfalls feuchte Wände hervorrufen und Schimmelpilzbefall begünstigen. Auch Luftdurchlässigkeiten sorgen für zu hohe Luftfeuchtigkeit. Zudem gehe es im Neubau heutzutage oft zu schnell. Die Baufeuchte habe gar keine Chance komplett zu trocknen.

Vorsicht bei Fensterwechsel

„Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Fensterwechsel“, sagt Christian Dunker, staatlich geprüfter Umweltschutztechniker bei der Ortenauer Energieagentur. Neue Fenster sind dichter als alte – das ist ja auch der Grund, warum sie eingesetzt werden. Allerdings fällt dann der stetige Luftwechsel weg. Die Fenster passen nicht mehr zu den alten Wänden. Denn diese sind weiterhin kalt – durch die geschlossenen Fenster kann nun aber keine Feuchtigkeit mehr nach außen transportiert werden. Stattdessen setzt sie sich an den kalten Wänden ab. „Deshalb empfiehlt es sich bei einem Fensterwechsel, auch gleich eine Wärmedämmung an die Wände anzubringen“, sagt Dunker. „Das ist natürlich eine Kostenfrage. Alternativ kann auch erstmal die Fensterleibung gedämmt werden.“ Außerdem empfiehlt es sich, Lüftungssysteme einzubauen. Diese transportieren feuchte Luft nach draußen und sorgen für ein angenehmes Raumklima – für Sie, nicht für den Pilz.

Mehr erfahren

BINE Energieforschung für die Praxis
Ausgabe BasisEnergie 12, Lüften und Energiesparen des BINE Informationsdienstes. http://www.bine.info/fileadmin/content/Publikationen/Basis_Energie/Basis_Energie_Nr._12/basisEnergie_12_Internetx.pdf

 

Foto: Jigal Fichtner

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