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Wenn Freileitungsmasten für Störche zur Nisthilfe werden
Störche im Nest

iStock©SeanHannon

31. Mai 2022 - Lesezeit: 4 Min

Der Winterurlaub ist vorbei: Bald ziehen die Weißstörche wieder übers Land auf der Suche nach ihrer Wohnung. Die könnte sich seit ihrer Abreise aber etwas verändert haben. Denn das E-Werk Mittelbaden war aktiv und hat für die Rückkehrer ein paar Appartments aufgemöbelt …

Gäbe es eine Storchen-Zeitung, hieße die Top-Schlagzeile: „Der Immobilienmarkt zwischen Achern und Rust ist in Bewegung.“ Das wäre vielleicht ein kleiner Aufreger, aber nicht weiter ungewöhnlich. Denn so was passiert nun mal. Die meisten der angestammten Plätze sind noch da, nur ein paar wurden aus Sicherheitsgründen verlegt. Denn manches Nest kann zur finalen Ruhestätte werden.

Störche nutzen Freileitungsmasten als Nisthilfe

„Störche nutzen unsere Freileitungsmasten als Nisthilfe“, erklärt Bernd Maier, Elektromeister beim E-Werk Mittelbaden und zuständig für den Netzbetrieb beim Überlandwerk Mittelbaden. „Kommt ein Vogel mit der Leitung in Kontakt, hat das üble Folgen. Je nach Mast sind das zwischen 400 und 20 000 Volt Spannung." Seit über 20 Jahren arbeitet das E-Werk Mittelbaden deshalb daran, das Leben für die Stelzvögel sicherer und bequemer zu machen. Immer mit von der Partie ist Kurt Schley, der seit seiner Kindheit von den Tieren fasziniert ist und viel dafür getan hat, dass die Störche wieder hier heimisch werden. Denn eine Zeit lang machten sich die Tiere rar. „Der Weißstorch drohte zu verschwinden“, erinnert sich Kurt Schley an die 1970er- und 1980er-Jahre. Neben seinem Beruf als Kinder- und Jugendpsychologe ist er für den Verein SOS Weißstorch aktiv und kommt immer dann ins Spiel, wenn eine Umsiedlung ansteht.

„Wir bekommen Meldungen durch Anwohner oder von Mitarbeitern vor Ort über Nester, die nicht gerade ideal liegen“, erzählt Bernd Maier.

„Wir treten dann in Kontakt mit Kurt Schley und arbeiten Punkt für Punkt einen Maßnahmenkatalog ab.“ Kurt Schley steht in engem Kontakt mit dem Regierungspräsidium in Freiburg und weiß, was zu tun ist: „Die Nester werden nicht einfach entfernt und der Storch kann dann sehen, wo er bleibt“, erklärt Kurt Schley. „Es gibt bestimmte Kriterien, ob und wie ein Nest ab- und anderer Stelle wieder aufgebaut wird.“
 

V. l.: Bernd Maier und Kurt Schley © Jigal Fichtner
Störche sind echte Experten im Bau aufwendiger und schwerer Nester. Muss ein solches verlegt werden, kommen die Experten Kurt Schley (o.r.) und Bernd Maier ins Spiel - und kümmern sich um Ersatz © Jigal Fichtner

Nester sind tonnenschwer und steinhart

Das geschieht außerhalb der Brutsaison im Spätwinter, wenn die Tiere noch in den Winterquartieren sind. „Wir klettern hoch und entfernen das Nest, das kann zwischen einer und zwei Stunden dauern“, erläutert Bernd Maier das Vorgehen. Der Job ist allerdings nicht ohne.

„So ein Nest kann bis zu einer Tonne wiegen und ist hart wie Beton, manche müssen wir zersägen,“ so Bernd Maier.

Den Ersatzstandort haben dann SOS Weißstorch und das E-Werk Mittelbaden schon festgelegt: „Er befindet sich meist ein paar Meter entfernt von der ursprünglichen Brutstätte in einer ungefährlichen Umgebung“, stellt Kurt Schley fest. Mit seiner Jugendhilfeeinrichtung Pegasus in Schutterwald, die Kinder und Jugendliche betreut, und mit seinem Kollegen Jürgen Vogelbacher, hat er bereits für den perfekten Ersatz gesorgt. „Sobald klar ist, dass Nester verschwinden müssen, bauen wir in unseren Werkstätten neue.“ Sie bestehen aus einer Metallhalterung und einer massiven Eichenholzplatte, die mit Zweigen und Ästen storchengerecht aufgebaut werden. „Das Feintuning vor Ort übernehmen die Störche aber lieber selbst“, lacht der Psychologe, „wir liefern nur den Rohbau.“ Von diesem Häuslebau profitieren aber nicht nur die Vögel, sondern auch die Jugendlichen. „Einige sind eng in diese Tierschutzmaßnahmen eingebunden, dadurch merken sie auch, wie wichtig sie sind und das kommt ihrer Entwicklung zugute“, weiß der Naturschützer. Ob die Störche das neue Zuhause dann auch annehmen, ist allerdings nicht immer sicher.

„Der Storch ist standorttreu“, weiß Kurt Schley.

Damit die Tiere nicht an der alten Stelle – hoch oben auf den Masten – wieder ein Nest bauen, bringen Bernd Maier und seine Kollegen eine Art Schutzbügel, eine sogenannte Vogelsitzstange an, die das verhindert. Zudem wird versucht, die Jungvögel durch eine Umprägung an die neuen Standorte zu gewöhnen. „Das klappt meist ganz gut“, erzählt der Storchenflüsterer. „Nur die Älteren sind manchmal ein bisschen stur.“ Menschlich irgendwie …

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